JUNGWHA
JUNG
“TV Land”
30.
August - 28. September 2008
Eröffnung:
30. August 2008, 11-18 Uhr
Auf den Fotografien der koreanischen Künstlerin Jungwha Jung gibt
es auf den ersten Blick in unzähligen Variationen immer das Gleiche
zu sehen: das Interieur eines Wohnzimmers mit Sideboard, Schränken,
HiFi-Anlage, mal eine Blumenvase oder eine Porzellanfigur, mal ein Familienfoto
oder ein Bild an der Wand. Selten verraten die Gegenstände etwas
über ihre Herkunft. Im Zentrum steht stets der Fernsehapparat –
das typische Interieur einer modernen Mittelstandsfamilie in Südkorea.
Im Fernsehen zeigt sich die gegenüberliegende Seite des Wohnzimmers.
Und auch hier blickt man immer auf das Gleiche: die auf den Fernseher
ausgerichtete Couch. Ab und an steht vor dieser ein Wohnzimmertisch,
hängt ein Bild über dem Sofa.
An diesen Orten gibt es nichts Lebendiges und kaum etwas Intimes zu
entdecken. Obgleich aber die Interieure nicht ungewöhnlich wirken,
ist der Anblick dieser dokumentarisch anmutenden Fotografien verwirrend.
Die gespiegelte Perspektive durch den Fernseher spaltet den Raum und
lässt eine Leerstelle zurück. Der Fernseher dient als eine
mediale Trickkiste, die es unmöglich macht, den Raum als einen
kontinuierlichen wahrzunehmen. Kein voyeuristischer Blick, nicht einmal
ein Blick, der sich selbst reflektieren und entlarven könnte, spiegelt
sich in diesen Bildern wider.
Jungwha Jungs Interesse richtet sich weniger auf die Gegenstände
selbst, sondern mehr auf die mediale Ordnung, in der sie sich gegenseitig
reflektieren. Ihre Fotografien sind kritische Sinnbilder einer vom Menschen
geschaffenen Leerstelle durch die rasante Modernisierung Südkoreas
in den letzten fünfzig Jahren, wo der Fernseher symbolträchtig
im Zentrum des hybriden modernen Lebens steht. Was übrig bleibt,
ist der kolonialisierte, westliche Blick auf einen Ort vermeintlicher
Intimität, an dem wir nicht mehr wissen, warum wir verweilen.
At first sight you always see nearly the same: the interior of a living
room with a sideboard, a hi-fi system, sometimes a vase of flowers or
chinaware, sometimes a family picture or a painting on the wall. The
objects rarely give anything away about their origin. In the centre,
there is always a TV set – the typical interior of a modern middle
class family in South Korea. The TV screen shows the opposite side of
the living room. Here, one also finds the same every time: a couch aimed
towards at the TV.
There is nothing lively and hardly anything intimate to explore at these
locations.
Yet, looking Jungwha Jungs’ documentary-like photographs confuses.
The TV splits the room and leaves behind a blank position. It is impossible
to perceive the room as a continuous one.
Jung is less interested in the objects as such than in the medial arrangement
through which objects mirror each other. Her photographs are critical
allegories of a self-made blank position. In the course of the rapid
modernisation of South Korea in the last fifty years, TV has become
the centre of social life. What remains is the western gaze on a place
simulating intimacy, where we do not know why we dwell on.
M29 Richter •
Brückner
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