Katharina
Jahnke
BEING BORING
4.
November – 9. Dezember 2006
Das Wort Zeit hat seinen Ursprung im Griechischen und stammt von „Kronos”,
dem Gott-vater, der seine Kinder verschlingt und sich damit quasi selbst
seiner Zukunft beraubt. Ähnlich scheint auch uns die Zeit unaufhaltsam
Stück für Stück aufzufressen, uns mehr und mehr unserer
Lebensjahre zu berauben, an uns zu zerren und uns zu schwächen,
bis sie uns endgültig ins Nichts verschluckt, wo „Zeit“
als solche keine Bedeutung mehr hat. Dabei führt der Mensch einen
aussichtslosen Kampf gegen die Zeit und gegen den eigenen Tod, so entsteht
ein melancholisches Gefühl der Ohnmacht und Sinnlosigkeit.
Zeit-Erleben ist oft mit dem Gefühl verbunden, Zeit zu verlieren,
zu verschwenden, zu verpassen, vergeblich zu warten und nicht zu vermögen,
sinnvoll mit ihr umzugehen. Der Mensch sucht somit die Zerstreuung,
ist rastlos auf der Suche nach irgendetwas, das ihn von seinem Versagen,
seiner Sterblichkeit und seiner gegenwärtigen Existenz ablenkt.
Er flieht vor sich selbst und der Ruhe, nach der er sich im Grunde sehnt.
Die Ruhe wird also zur Gefahr und dabei schnell als langweilig empfunden.
Langeweile, wenn Zeit bewusst erlebt, dadurch lang und zäh erscheint,
kann uns lethargisch und passiv oder überaktiv, hektisch, nervös
und aggressiv, aber auch ebenso kreativ und erfinderisch machen.
Unter
dem Titel „being boring” nimmt sich Katharina Jahnke in
ihrer Ausstellung diesem Aspekt der Langeweile an. Der Titel spielt
dabei auch mit der Zweideutigkeit von gelangweilt sein und langweilig
sein, was die enge Verknüpfung objektiven Zeit-Erlebens und gleichzeitigen
individuellen Selbstempfindens beschreibt.
Katharina Jahnke stellt in ihren Arbeiten das Zeit-Erleben von „Langeweile”
in Situationen des Wartens dar, wobei sie miteinander verknüpfte
Bilderwelten und Zitate verwendet. Sie hinterfragt die unterschiedlichen
Arten von Langeweile, das Funktionalisieren des Wartens und die daraus
folgenden Konsequenzen, wie Aggression zum Beispiel.
Ihre Zeichnungen, die sich explizit mit der Situation des Wartens auseinandersetzen
und nach Methoden fragen, diese erträglicher zu machen, entstammen
der Serie „50 ways to wait”, die sie bereits im Februar
2006 begonnen hatte. Ihre Skulpturen stehen auf verschiedene Art und
Weise selbst für die Aspekte von Langeweile, indem sie einerseits
direkt thematische Bezüge zur Langeweile herstellen, andererseits
diese aber auch formal widerspiegeln, da typische Attitüden des
sich Langeweilens, wie falten, knicken, zerkratzen, zerstören,
als stilistisches Mittel mit einbezogen werden.