Hubert Becker
A PRIORI
16.
April – 24. Mai 2008
Das
kantische a priori, als das direkte Gegenteil zum a posteriori, meint
das allgemeingültige und unbedingt notwendige von der Erfahrung
logisch unabhängige Element. Es bedeutet das von vornherein Bestimmende,
auch das Transzendentale und Ursprüngliche. Es ist eine Art verinnerlichte
oder feststehende Vorbedingung an sich, die im vorneherein den Grund
oder die Ursache bildet. Ähnlich einer Re-Inszenierung oder einem
Widererinnern an das früher Gesehene (so wie Platon das a priori
erklärt), sind dies angeborene reine Ideen, die einen Rahmen vorgeben,
der unserer Erfahrung und Erkenntnis notwendig zu Grunde liegt.
Die heutige Gehirnforschung geht auch von einem inneren, unabhängigen
und gewissen Sinne selbstständigen Rahmengerüst aus, das unsere
Wahrnehmung und das Denken lenkt. Das bildliche Wissen der Erinnerung,
die Summe gespeicherter innerer und äußerer gesellschaftlich
wie individuell geprägter Bilder, formt diesen Rahmen. Indem wir
sie reflektieren und widerspiegeln, uns in ihnen verdoppeln, sie dabei
umgestalten und wieder neu erfinden, definieren und bestimmen wir unsere
Umgebung und uns selbst.
Hubert
Beckers Fotografien entstehen im Widererinnern, Imitieren und Neugestalten.
Er verwendet die Fotografie als jene Vor- Bilder, um ein Bild an sich
neu zu erfinden. In Modellen baut er Bilder und Zitate unserer alltäglichen
Medienwelt, museale Werke und kulturgeschichtliche Ikonen nach. Er benutzt
dabei bekannte Namen wie Picasso, Blossfeldt, Richter oder Che Guevara.
Das wieder neu entstandene Bild der umgebauten Wirklichkeit irritiert,
da der Modellcharakter sichtbar bleibt und die Illusion einer perfekten
Kopie subtil gebrochen wird. Becker imitiert das Bild, indem er seinem
Ideal so nah wie möglich kommt, gleichzeitig versucht er aber dessen
Authentizität aufzulösen und zu dessen Ursprung zurückzukehren,
um es neu zu definieren.